Weil Räume wirken!

Menschen erleben Räume als stimmungsbeeinflussend. Die traditionelle klinische Umgebung hat es per se schwer und kann negative Emotionen wie Angst, Panik oder Desorientierung bei PatientInnen verstärken. Dies kann in aggressives Verhalten oder in Vermeidung münden. Das heißt: Räume und Raumgestaltung weisen immer eine affektierte Wirkung auf. 

Kahle Innenraumgestaltung und die dominierende Wandfarbe Weiß machen die Wahrnehmungsqualität in Kliniken nicht besser. Bleiben visuelle Bedürfnisse untererfüllt, so bezeichnen wir den Raum häufig als abweisend, als unfreundlich, kühl oder kalt, trotz normaler Raumtemperaturen. Das wirkt sich auch auf die Aufenthaltsbereitschaft bei den PatientInnen und Mitarbeitenden aus. Kontakt- und Interaktionsbereitschaft und nicht zuletzt die Vertrauensbildung leiden. Letzteres ist insbesondere dort von Relevanz, wo es um Vertrauen geht. Unter einer tristen, allein auf Funktion ausgerichteten Raumgestaltung leiden alle. Hohe Krankenstände im Gesundheitswesen sind fatal und können ein Indiz dafür sein. 

Bestätigt wurde übrigens ein Zusammenhang zwischen Farb- und Lichtgestaltung und der Aufenthaltsqualität durch die Helios-Studie 2020. Nach einer farblichen Raum-Umgestaltung der Intensivstation einer Klinik in Wuppertal und dem Einsatz der passenden Lichtfarbe konnte der positive Einfluss des richtigen Farb- und Lichtniveaus auf das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Befragten nachgewiesen werden. 

Die Aufenthaltsqualität hatte sich bei PatientInnen und beim Personal signifikant verbessert. Nach 12 Monaten sank der Krankenstand des Personals um ganze 23 Prozent. 

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kommt der architekturpsychologischen Innenraumgestaltung von Kliniken eine bedeutende Rolle zu. Immerhin steht und fällt die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens mit den Menschen, die hier Tag und Nacht ihren Dienst versehen.

Text: Elfi Meyer zu Broxten

Fotos: Helios Universitätsklinikum, Prof. Dr. Axel Buether