Warum das optimale
Stimulationsniveau die Gesundheit fördert
Unser Gehirn verlangt permanent nach "Nahrung". Gemeint sind sogenannte Stimuli von außen, wobei hier neben akustischen vor allem visuelle Stimuli gemeint sind. Immerhin stellt der visuelle Sinn für die meisten Menschen der Hauptsinn dar, über den relevante Informationen aus der Umwelt aufgenommen und verarbeitet werden. Wir können uns also vorstellen, welchen Einfluss die Innenraumgestaltung, die uns umgibt, auf die Hirnentwicklung von Geburt an hat.
Stimuli werden über unsere Sinnesorgane empfangen und stehen in dem Ruf, für eine verbesserte Gehirnleistung verantwortlich zu sein. Stressresistenz, ein gesteigerter Antrieb und beispielsweise die Reduktion von aggressivem Verhalten, Angststörungen und depressiven Episoden sind weitere positive Wirkungen, die mit einem ausgeglichenen Reizniveau einher gehen.
Bemerkenswert finde ich, dass dieses Wissen seit Jahren bei der Gestaltung von Tiergehegen berücksichtigt wird, während es insbesondere im Neubau von Wohn- und Bürogebäuden vernachlässigt wird, so mein Eindruck. Das Wissen darum und auch um ästhetische Bedürfnisse scheint verloren gegangen zu sein. Gleichzeitig hält sich das Gerücht hartnäckig, glatte, sterile Designs und die Farben Weiß und Grau wirkten beruhigend. Und tatsächlich kann eine karge Umgebung kurzfristig entspannend wirken. Spätestens nach wenigen Tagen aber kann sich die Wirkung ins Gegenteil umkehren, wenn innere Unruhe und Gereiztheit ansteigen. Und weil bestehende Gebäude in der Regel nur eingeschränkt optimierbar sind, kommt der Innenraumgestaltung eine besondere Rolle zu.
Weil Licht als Basis der visuellen Wahrnehmung gilt, sind sowohl Beleuchtung als auch Lichtführung, aber auch Farbgebung, Oberflächen, Möblierung, Naturelemente wie Pflanzen, Raumstrukturen, Gestaltungselemente wie Wandbilder und Ausblicke für die Wohn- und Architekturpsychologie von zentraler Bedeutung, die in einem ausgeglichenen Stimulationsniveau und einer vielfältigen Raumwahrnehmung ihre Entsprechung findet.
Text: Elfi Meyer zu Broxten