Nachhaltig wohnen - eine wohnpsychologische Perspektive
Der Begriff der Nachhaltigkeit hat viele Facetten, und manchmal entsteht der Eindruck, der Begriff werde aktuell inflationär verwendet.
Viele Beiträge unterbreiten Vorschläge, wie es sich stylischer, schöner und moderner wohnen lässt. Es geht aber meist nicht über das Hier und Jetzt hinaus, die meisten auf dem Markt befindlichen Angebote haben die reine aktuelle Wunscherfüllung zum Thema.
Nachhaltigkeit greift für mich noch weiter, als natürliche und nachwachsende Rohstoffe - allen voran Holz - einzusetzen. Die Wohn- und Architekturpsychologie bietet Methoden wie die Bedürfnisanalyse an, um wirklich nachhaltige Wohnentscheidungen zu treffen. Darum erhebt die Architekturpsychologie als wissenschaftliche Disziplin Wohnbedürfnisse individuell und bedient sich hierzu erprobter psychologischer Methoden. Der Wunsch nach Geborgenheit beispielsweise ist in unserem evolutionären Erbe begründet, wir brauchen nicht nur einen Platz für Ruhe und Erholung, sondern wir möchten im geschützten Raum alle Masken ablegen können, wollen ganz bei uns sein und auch Tätigkeiten ausüben, die uns Freude bereiten.
Aber warum ist das so wichtig? Gleich mehrere Einflüsse tragen zur Entstehung von Erholung und Geborgenheit bei. Die gute Nachricht: Wir kennen heute viele Möglichkeiten, diesen wünschenswerten Zustand der Geborgenheit und der Behaglichkeit zu erreichen. Die realisierbaren Empfehlungen und Vorschläge und die daraus resultierenden Wohnentscheidungen können nachhaltiger und die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Umsetzung damit ungleich höher sein. Entscheidungen, die beispielsweise auf individuellen Wertvorstellungen, Persönlichkeitsfaktoren und Empfindungen statt auf Modetrends oder den Geschmack anderer basieren, fühlen sich eher über einen längeren Zeitraum „richtig" an. Das schafft einen echten Mehrwert für Menschen, die die Räume nutzen. Und für unsere Umwelt!