Das Schlafzimmer - eine wohnpsychologische Perspektive
Es geht doch nichts über einen erholsamen Schlaf! Viele Menschen leiden aber unter Schlafmangel mit üblen Folgen: Wir fühlen uns wie gerädert und bekommen nichts richtig hin, sind gereizt und können auf Dauer sogar an einer Depression erkranken. Auch wenn eine Insomie viele Ursachen hat und manchmal verhaltenstherapeutisch behandelt werden muss: Werden räumlich bedingte Stressoren durch Raumgestaltung reduziert, können wir besser erholen und entspannen. Weil es vielmehr um unsere Gesundheit als um Stimmungen geht, sollte generell jedes Schlafzimmer Geborgenheit und Behaglichkeit generieren können.
Dazu bedarf es sogenannter sensorischer Kontaktmöglichkeiten, weil diese die affektive Wirkung beeinflussen können. Das heißt, dass ein Raum, der wenige oder keine visuellen Stimuli (Bilder, Farben, natürliche Materialien, Lichtgestaltung, ein Maß an Ordnung und Struktur) aufweist, weil er karg, lieblos, farblos eingerichtet ist oder als Abstellkammer herhalten muss, eine kühle, abweisende Atmosphäre verbreitet. Unsere Sinne können keinen Kontakt zur Umwelt aufnehmen, obgleich sie primär genau dazu gemacht sind. Wir fühlen uns unwohl. Da möchte niemand bleiben, geschweige denn zur Ruhe kommen. Das bleibt auch für die Interaktionsbereitschaft in Partnerschaften nicht ohne Folgen, und zwar dann, wenn das Schlafzimmer nicht dazu einlädt, sich näher zu kommen. Die Sexualität schläft ein.
Aus Platzmangel ist seit der Pandemie vielerorts das Homeoffice ins Schlafzimmer eingezogen. Das Problem: Blicken wir vom Bett aus auf den Schreibtisch, die Unordnung, den Wäscheberg, dann signalisiert uns das Gehirn trotz überbordender Müdigkeit, dass noch Dinge zu erledigen sind. Wir bleiben wach oder haben zumindest keinen erholsamen Schlaf. Das stresst uns wahnsinnig!
Weil wir beim Schlafen andere Dinge brauchen als bei der Arbeit, muss ein Raum gleich zwei Funktionen erfüllen: Einerseits möchten wir dort zur Ruhe kommen, schlafen, entspannen, Zweisamkeit erleben. Tagsüber geht es an den Schreibtisch. Der visuelle Auslöser ist dafür verantwortlich, dass wir beim Blick auf den Schreibtisch gedanklich im Arbeitsmodus bleiben. Und das, obwohl wir müde sind und schlafen möchten. Eine Idee ist ein Raumteiler, der die Bereiche Arbeiten und Entspannen trennt. Flexible Schreibtische auf Rollen lassen sich nach der Arbeit aus den Blickfeld schaffen.
Setzen Sie bei der Einrichtung auf natürliche Materialien. Ein zeitloses Massivholzbett ist nachhaltig und strahlt eine wohlige Wärme aus. Idealerweise platzieren Sie es mit dem Rücken zur Wand mit einem Blick in den Raum und aus dem Fenster. Dadurch, dass naturbelassene Holzmöbel Luftfeuchtigkeit und Schadstoffe binden können, haben diese auch einen positiven Effekt auf das Raumklima.
Unterbettboxen als Stauraum schaffen Ordnung im Schlafzimmer. Für Dunkelheit sorgen Verdunkelungsvorhänge oder Außenjalousien, so lässt sich regulieren, wieviel Licht gewünscht ist. Denn zu unserem evolutionären Erbe gehört, dass wir Dunkelheit mit (Nacht)-Ruhe und Licht mit Aktivität assoziieren.
Bei der Farbgestaltung sollte Pastelltönen, z.B. anregende Farben in beige, Hellgrün, Hellviolett und Hellblau der Vorrang gegenüber kräftigen, anregenden Farben gegeben werden. Generell sind aber die Farbtöne einzusetzen, die ein Gefühl von Behaglichkeit auslösen! Nachttischlampen und mehrere, im Schlafzimmer verteilte Lichtquellen die, dimm- und damit regulierbar sind, fördern eine behagliche Stimmung zusätzlich! Lampen mit einer Farbsteuerungsfunktion haben den Vorteil, dass sich zum Abend ein warmes Licht einstellen lässt. Und zu guter Letzt: Lassen Sie etwas Grün einziehen: Bilder mit Naturmotiven oder Pflanzen wirken sich zusätzlich beruhigend aus!
Text: Elfi Meyer zu Broxten