Colour your life - ein Plädoyer für mehr Farbe in der Raumgestaltung
Die Natur kennt keine Farben. Weil Flächen oder Gegenstände Lichtstrahlen reflektieren, können wir überhaupt Farben wahrnehmen. Bei einem Prozess, der sich in Bruchteilen von Sekunden abspielt, entstehen Farben im Auge bzw. im Gehirn.
Wie wir bei der Einrichtung Farbe einsetzen, hat direkte Auswirkungen auf unsere Psyche und unsere Hirnaktivität. Die Farbwahrnehmung ist dabei eng mit Emotionen verknüpft. Jeder Farbton ruft ein Gefühl hervor. Immer.
Dabei zeigen verschiedene Studien, dass Pastelltöne wie Hellgrün, Hellviolett und Hellblau beruhigend wirken. Kräftige Farben wie Gelb oder Orange wirken dagegen anregend und antriebssteigernd. Rot wird oft als anregend beschrieben, Blau soll beruhigen, und der Farbe Gelb wird oft eine stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben.
Auch wenn den Farben immer wieder bestimmte Empfindungen zugeschrieben werden, so weist die Empirie in der Farbforschung Lücken auf: Bisher wurden die betroffenen Farbtöne selten dokumentiert. Nicht nur deswegen fehlt es bisher an einer allgemeingültigen Hierarchie. Die Farbwahrnehmung und -bewertung variiert von Mensch zu Mensch und wird geprägt durch Erfahrungen, Vorstellungen, und auch soziokulturelle Faktoren führen dazu, dass die Bildung von Präferenzen eine sehr individuelle Komponente bleibt.
Die wohnpsychologische Perspektive: Farben, die oft in der Natur vorkommen und von der Natur inspiriert sind, tun unserer Psyche gut. Dass wir uns zu den Farben der Natur hingezogen fühlen, ist unser evolutionäres Erbe. Besonders Grüntöne, Erdtöne, Blautöne, Sonnengelb, Rot und Orange erinnern uns an die Natur und lassen uns behaglich, entspannt und sicher fühlen. Die Wohnpsychologie empfiehlt, die Farben in dem Verhältnis einzusetzen, in dem sie in der Natur vorkommen.
Räume, in denen schwarz, weiß oder grau dominieren, wirken nur kurzfristig entspannend, auf Dauer fehlen die visuellen Stimuli, die wir von Natur aus brauchen. In der Folge werden wir nervös, die Stimmung sinkt und die Anspannung steigt. Ein Behaglichkeitsgefühl wird sich da nur schwer einstellen.
Text: Elfi Meyer zu Broxten