Nachhaltig wohnen - eine wohnpsychologische Perspektive

Viele Unternehmen beklagen steigende Krankenstände aufgrund von Stress und emotionaler Erschöpfung. Architekturpsychologisch betrachtet verstärken bestimmte Raumfaktoren Belastungen zusätzlich. Wie ist das zu verstehen? Modernere Bürogebäude wirken mit oft weißer oder grauer Farbgebung der Außenfassaden wenig einladend und statt dessen ermüdend. Wenn die Innenräume mit weißen Wänden kühl und trist gestaltet und mit gräulichem Funktionsmobiliar ausgestattet sind, glatte Flächen und Glas die Ausstattung dominieren, dann wurden in der Planung alleine Faktoren wie Technik, Funktionalität und Design  - nicht aber die menschliche Qualität von Räumen- berücksichtigt.

Mangelnde regenerierende Naturelemente in der Raumgestaltung, statt dessen „lockt“ ein Ausblick auf das gegenüberliegende, triste Bürogebäude. Die Kollegen im Rücken und Durchzug im Nacken, von der Akustik durch Stimmengewirr ganz zu schweigen. Diese und weitere Aspekte wirken demotivierend und sind langfristig gesundheitlich bedenklich. Wenn MitarbeiterInnen das Gefühl bekommen, nur eine unbedeutende Nummer in einem Unternehmen zu sein, dann regt sich Widerstand. Dann können psychologische Prozesse wie Müdigkeit, Gereiztheit, Beengungsgefühl, Konzentationsschwierigkeiten und Isolation in Gang kommen, und das passiert eher subtil.  

Durch die Unkenntnis über die Wirkung von Räumen auf Menschen vergeben sich immer noch viele Betriebe trotz guter Absichten die Chanche, durch Arbeitsraumoptimierung die Mitarbeiterzufriedenheit und gleichzeitig die Arbeitsleistung zu erhöhen.

In der Arbeitsraumanalyse beziehen wir uns auf die psychologischen Prozesse, die gestärkt, die Tätigkeiten, welche unterstützt und Belastungen, welche ausgeglichen werden sollen. Daraus ergeben sich unsere Empfehlungen nach den Prinzipien der angewandten Architekturpsychologie.

Nicht nur Farben können emotionale und physiologische Wirkungen erzielen. Licht, Zonierung und die Anordnung der Arbeitsplätze haben einen starken Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der MitarbeiterInnen. Warmes Licht beispielsweise kann ein Beitrag sein, um die Zusammenarbeit in Teams zu verbessern. Raumabgrenzung ist relevant, wenn es um Privatheit und um mehr Konzentration geht. Oft schon tragen kleine Schritte dazu bei, nicht nur die Raumqualität an sich, sondern besonders auch das Erleben von Kontrolle der MitarbeiterInnen und damit Selbstwirksamkeit, Wohlbefinden, Selbstregulierung und die Gesundheit zu stärken.    


Text: Elfi Meyer zu Broxten