Ästhetik in der Architektur
Ästhetik aus architekturpsychologischer Sicht bezieht sich weniger auf Kunst- oder Designobjekte. Gemeint sind gebaute Umwelten, in denen sich Menschen wohler fühlen als anderswo und gleichzeitig ihre Lebensqualität höher einschätzen.
Ästhetische Bedürfnisse sind individuell und ein höchst komplexer Vorgang. Verschiedene Untersuchungen zeigen aber, dass wir Gestaltungsmerkmale, die wir kennen und gewohnt sind, als ästhetisch ansprechender bewerten. Auch legen mehrere Studienergebnisse nahe, dass Natur die Bewertung von Gebäuden positiv beeinflusst, ebenso runde statt eckige Raumelemente in Innenraumsettings. Auch hier können Naturnähe und Lebendigkeit als Ursachen herangezogen werden.
Die Studie von Joachim Kastka (1986) beeindruckt mich zugegebenermaßen sehr: Der Untersucher wollte wissen, ob ästhetische Aspekte die Bewertung von Lärm positiv beeinflussen und damit Stress und Belastungen entgegenwirken können. Dazu beschallten die Forscher zwei Straßenzüge (eine schön, die andere schäbig) in gleichem Maße. Die "schöne" Straße wurde als bedeutend leiser eingeschätzt.
Damit kommt der Ästhetik und ihrem messbaren Einfluss auf Erholung, Entspannung und Stessreduktion als Gesundheitsfaktor wieder einmal eine erhebliche Bedeutung zu, die hoffentlich noch mehr Berücksichtigung bei der Planung von Innen- und Aussenräumen findet.